Lernen mit digitalen Zeugnissen (LediZ)
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Dissertationen

Florian Duda: Emotionen in Sprache und Bild

Die Darstellung von Nähe und Distanz in multimodalen Zeugnissen Holocaust-Überlebender

Im Rahmen des Promotionsvorhabens soll die Verbindung von Emotion und Sprache in Videointerviews und interaktiven digitalen Zeugnissen analysiert werden, in denen Holocaust-Überlebende nach 1945 von Verlust berichten. Obgleich die mit Verlust und Tod verbundene Basisemotion Trauer im Alltag einen genauso großen Stellenwert besitzt wie ihr Pendant, die Freude, sind diejenigen (Alltags-)Diskursthemen, die sich mit diesen negativ konnotierten Referenzbereichen beschäftigen, in der kommunikativen Auseinandersetzung eher unterrepräsentiert oder gar tabuisiert (vgl. Foucault & Konersmann 1991). Eine Gruppe von Menschen, die bis heute in ihren Schilderungen auch über diese Themen berichtet, sind die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des Holocausts, die innerhalb der Erforschung von Sprache und Emotion im deutschsprachigen Diskurs der Kognitiven Linguistik bislang nur wenig Beachtung fanden und die deshalb den Mittelpunkt dieser Studie bilden.

Nähe und Distanz als Kategorien sollen in der Analyse der Verlustberichte auf die unterschiedliche Codierung von Emotionen verweisen, die einerseits direkt verbalisiert und/oder sichtbar in Mimik stattfinden kann und andererseits distanziert durch eine (scheinbar) objektive, kalte Berichterstattung. Ferner soll die Studie zur Erforschung von multimodalen Kommunikaten im Bereich der Holocaust Studies beitragen, indem die rein sprachliche Analyse durch Miteinbezug von Bilddaten erweitert wird.

Im Zentrum der multimodalen Analysen stehen hierbei folgende erkenntnisleitende Fragen:

  • Wie werden Emotionen innerhalb von Verlustbeschreibungen sprachlich codiert und welche Konzepte sowie mentalen Modelle liegen diesen Codierungen zugrunde?
  • Wodurch werden Emotionen auf non- und paraverbaler Ebene markiert?
  • In welcher Beziehung stehen verbale, non- und paraverbale Modalitäten zueinander?
  • Welche neuen Zugänge und Lesarten von Zeitzeugeninterviews kann eine multimodale Analyse liefern?

Kontakt: Florian.Duda@germanistik.uni-muenchen.de

   

Ernst Hüttl: Analoge und digitale Zeitzeugengespräche an Schulen im Vergleich

Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus Schüler*innensicht

An vielen deutschen Schulen sind Zeitzeug*innenbesuche insbesondere von Überlebenden des Holocaust zu einem festen Bestandteil des Curriculums geworden. Dieser Zugang zu historischen Ereignissen des NS-Zeit wird in absehbarer Zeit zu einem Ende kommen oder einen Wandel durchlaufen, beispielsweise durch den Einsatz von interaktiven digitalen 3D-Zeugnissen. In vorliegender Studie steht ein Vergleich von analogen und digitalen Zeitzeugengesprächen im Vordergrund. Von Januar bis März 2020 wurde Abba Naor an Schulen im Münchner Umland begleitet, die Veranstaltungen in Protokollen und Fotografien dokumentiert. In anschließenden Interviews mit Schüler*innen verschiedener Jahrgangsstufen wurden Wahrnehmung und Wirkung der Veranstaltung erfragt, unter anderem hinsichtlich der Person des Zeugen und seiner Erzählung, des Rahmens und Ablaufs, individuellem Vorwissen und Emotionen, sowie etwaigen Schwierigkeiten in der Interaktion. In einer zweiten Erhebungswelle im Oktober wurde mehreren Schulklassen Abba Naors interaktives digitales 3D-Zeugnis präsentiert und die Schüler*innen wurden in ähnlicher Weise befragt.

Die gewonnenen Daten werden mit Hilfe der Grounded Theory ausgewertet. Ziel der Erhebung ist es, Erkenntnisse in folgenden Bereichen zu gewinnen:

  • Wie werden die beiden Zeugnisformate hinsichtlich ihrer Besonderheit, Authentizität und emotionalen Intensität eingeschätzt?
  • Wo liegen Stärken, Schwächen und bedeutsame Eigenheiten der beiden Zeugnisformate?
  • Wie werden technische oder menschliche Schwierigkeiten in der Interaktion bewertet?

Kontakt: ernst.huettl@germanistik.uni-muenchen.de

 

Frauke Teichmann: Medienkompetenz fördern mit interaktiven digitalen Zeugnissen von Holocaust-Überlebenden

Eine empirische Studie zu medien-ethischen Fragestellungen aus Schüler*innen-Perspektive

Das vorliegende Dissertationsprojekt möchte das innovative Lernmedium der interaktiven digitalen Zeugnisse Holocaust-Überlebender aus medien-ethischer Perspektive beforschen. In einer virtuellen Erhebung können Schüler*innen mit dem digitalen Zeugnis des jüdischen Holocaust-Überlebenden Abba Naor interagieren. In kommunikativen Kontexten werden anschließend rezeptive und produktive Auseinandersetzungen mit dem interaktiven digitalen Lernmedium in Hinblick auf die moralische Wertebildung eruiert. Dabei folgt das Dissertationsvorhaben der Grundannahme, dass moralische Werte nicht absichtlich (durch z.B. Lehrkräfte oder Forscher*innen) erzeugbar sind, sondern sich nach Hans Joas als „passivisches Moment“ durch das Gefühl eines tiefen Ergriffenseins implementieren. Untersucht werden soll im Rahmen des Dissertationsprojektes das Entstehen eben dieses emotionalen Ergriffenseins, (starke) Emotionalität, sowie Äußerungen über Wünschenswertes nach der Begegnung mit dem interaktiven digitalen Zeugnis. Diese affektiven Gemütsregungen können als Grundlage des „passivischen Moments“ der Wertebildung angesehen werden.

Ziel des Projektes ist es, die Verbindungen aus folgenden Bereichen zu untersuchen: die in Begegnung mit einem interaktiven digitalen Lernmedium ausgelösten Anstöße zu einer moralischen Wertebildung in Bezug auf das bedeutsame Thema des Holocaust.

Folgende Forschungsfragen spiegeln dabei das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse wider:

  • Wie nehmen Schüler*innen das interaktive digitale Medienformat wahr?
  • Welche affektiven Gemütsregungen lösen interaktive digitale Zeugnisse bei Schüler*innen aus?
  • Kann ein interaktives digitales Zeugnis Einfluss nehmen auf die moralische Wertebildung bei Schüler*innen?

Kontakt: frauke.teichmann@germanistik.uni-muenchen.de